Vom Papierstrom zur persönlichen Zeitung. Aus der Druckmaschine fliesst
ein ununterbrochener Strom gedruckter Zeitungen in den Versand. Dort werden die Zeitungsteile
zusammengetragen, mit Beilagen ergänzt, adressiert, sortiert, kommissioniert und dem Vertrieb
zugeführt.
Das «Tagblatt» wird von der Druckmaschine auf zwei Ausgängen in zwei unterschiedlichen
Schuppenströmen dem Versandsystem zugeführt. Auf der einen Seite erscheint das Hauptblatt,
die Bunde eins bis vier; auf der anderen Seite – zeitlich versetzt – die verschiedenen Lokalteile der
der sechs Regionalausgaben.

Die verschiedenen Zeitungsteile, Hauptblatt und Lokalteile, werden von der Druckmaschine nach einem vorgegebenen Ablaufplan in ein Zwischenlager transportiert. In diesem Zwischenlager werden die Schuppenströme auf Rollen aufgewickelt. Die Druckmaschine produziert mit der vom Drucker gesteuerten Geschwindigkeit in den Puffer zwischen Druck und Versand, während die Bedienungsmannschaft der Versandsysteme diejenigen Zeitungsteile aus dem Lager holt, welche sie für den Vertrieb verarbeiten muss. So entkoppelt, produzieren Druck und Versand unabhängig voneinander. Die Planung und die Abwicklung des gesamten Prozesses lassen sich so sehr beweglich gestalten und an die verschiedenen Bedürfnisse anpassen. Die Herstellung einer Zeitung wie des «Tagblatts» mit sechs unterschiedlichen Titeln und Inhalten wäre ohne diese Entkoppelung kaum denkbar.
Aus dem Zwischenlager – einem beeindruckenden Teil des Versandsystems – werden
die einzelnen Zeitungsteile einer der beiden Einsteckmaschinen Newsliner zugeführt. Das
Hauptblatt wird im Taschenrad in der Mitte geöffnet. Damit dies überhaupt möglich ist,
wird die Zeitung bereits im Falzapparat der Druckmaschine nicht in der Mitte, sondern etwas
versetzt gefalzt. Dadurch entsteht der – auch vom aufmerksamen Leser bemerkte – Greiffalz, der das
maschinelle Öffnen der Zeitung erst ermöglicht.
Im Einsteckkanal wird dem geöffneten Hauptblatt der entsprechende Lokalteil beigelegt. Danach
kann die so komplettierte Zeitung noch zwei Mal in der Mitte geöffnet und mit weiteren
Zeitungsteilen und Beilagen ergänzt werden. Die Maschinensteuerung überwacht den
Zusammentragprozess laufend und sorgt dafür, dass nur komplette Exemplare der weiteren
Verarbeitung zugeführt werden. Aber auch der Bediener des Systems ist gefordert, er entscheidet,
welche Zeitungsteile aus dem Zwischenlager gefahren und zu einer kompletten Zeitung
zusammengeführt werden. Zum jeweiligen Hauptblatt ist auch der dazugehörige Lokalteil
zu wählen. Verwechslungen verschiedener Teile hätten fatale Folgen. Immerhin sind
in der kurzen Zeit von gut 4 Stunden gegen 120'000 Exemplare, bestehend aus insgesamt
12 verschiedenen Zeitungsteilen, in der richtigen Reihenfolge zu verarbeiten. Rechnet man
verschiedene Beilagen in verschiedenen Ausgaben dazu, sind es schnell einmal mehr als 20 Sorten und
Zusammensetzungen, die beachtet werden müssen.

Die beiden Einstecklinien sind angebunden an je drei Kommissionierlinien. Dort werden die Zeitungen gezählt, zu Paketen zusammengefasst, beschriftet, mit Kunststoffband umreift und dem Vertrieb zugeführt. Das Abzählen und Paketbilden geschieht nicht etwa zufällig. Das Leitsystem ist über ein Netzwerk mit dem Computersystem des Verlages verbunden. In diesem sind alle Daten der Abonnenten hinterlegt. Diese aktualisierten Daten werden jeweils am Nachmittag abgerufen und für das Versandsystem aufbereitet. Zunächst wird unterschieden, ob der jeweilige Abonnent seine Zeitung vom Zeitungsverträger frühmorgens oder mit der Post erhält. Danach erfolgen die Sortierung für die einzelnen Zusteller nach vorgegebenen Versandplänen, die Aufteilung auf Fahrzeug, Poststellen und Verteilstellen der Post. All diese Daten steuern dann nachts den Produktionsprozess der Adressier- und Paketierlinien. Wie schon beim Einstecken hat auch hier der Bediener dafür zu sorgen, dass die richtigen Daten für die entsprechende Ausgabe verwendet werden.
Die Sortenvielfalt, die äussert knapp bemessene Zeit und die durchschnittlich
25 Tonnen Papier, welche nächtlich verarbeitet werden, stellen auch höchste Anforderungen an die
Vertriebslogistik. Etwas mehr als die Hälfte der Auflage übernimmt an der Rampe die Firma Prisma
Medienservice AG – ein Tochterunternehmen der St.Galler Tagblatt AG: Die Zeitungsverträger
erhalten nach einem ausgeklügelten Transportplan an festgelegten Depotstellen ihre Zeitungen.
Die einzeln adressierte Postauflage wird im Versandraum in Postsäcke kommissioniert. Die
Fertigung dieser Postsäcke erfolgt nach Sortierkriterien, die im Postversandplan hinterlegt sind.
Die Anlieferung erfolgt zum grossen Teil in der Hauptpost in St.Gallen.
Ausserdem wird Post direkt in Frauenfeld und Winterthur angeliefert, die Auslieferung der Fernausgaben
erfolgt in Zürich.

Möglichst aktuelle lokale, regionale, nationale und internationale
Informationen, die Resultate und Berichte über nie enden wollende Eishockey-Spiele oder
Champions-League-Abende, all das möchte der Abonnent am nächsten Morgen im
«Tagblatt» lesen können. Darum möchte die Redaktion die letzten Seiten
so spät wie möglich abschliessen. Der Leser wiederum soll seine Zeitung mit
der Frühvertragung um halb sieben im Briefkasten haben, und die Verteillogistik der
Post braucht die Zeitung zu festgelegten, oft auch fahrplangebundenen Zeiten angeliefert.
Dies alles bedeutet, dass für die eigentliche Produktion der Zeitung fast keine Zeit mehr bleibt.
Die Produktionspläne sind denn auch bis aufs Letzte ausgereizt, die Mitarbeiter in Druck
und Versand enorm gefordert. Alle Handgriffe müssen sitzen, grösste Konzentration auf die
Aufgabe ist nötig. Fehler dürfen nicht gemacht werden. Und dennoch ist auch das beste
Team vor Pannen nicht gefeit. Die Papierbahn kann mal reissen, eine technische
Störung den zeitlichen Ablauf durcheinander bringen, selbst der Ausfall einer PC-Maus wird zum
Ärgernis.
Zeitlich kürzere Verzögerungen können meist durch vorbereitete Sondermassnahmen aufgefangen werden.
Sollte es zu einem längeren Ausfall eines Systems kommen, so müssen auch wir mit Problemen in der
Verteilung rechnen. Ausgearbeitete Notpläne treten dann in Kraft und friedlich schlafende Kollegen
werden telefonisch aus dem Bett geholt.